Säure-Basen-Hauhalt

Säure-Basen-Hauhalt

Mit freundlicher Genehmigung des Förderverein der Karl und Veronca Carstens-Stiftung stellen wir allen interessierten Lesern einen Abdruck aus dem Mitgliederbrief Nr. 2 "Natur und Medizin", März/April 2002 zur Verfügung.
Weitere Informationen zu dem Förderverein finden Sie unter www.naturmedizin.de.

Natur und Medizin

Liebe Mitglieder und Freunde,

heute möchte ich Sie auf eine kleine, unscheinbar wirkende Maßnahme hinweisen, die große Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden haben kann. Denn oft spürt man die Folgen schon nach wenigen Tagen:

Sie fühlen sich leistungsfähiger, schlafen besser, brauchen sogar weniger Schlaf, die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu, Sie haben weniger Rücken- und Kopfschmerzen. Alle Bauchorgane (Magen, Leber, Galle, Darm und Bauchspeicheldrüse) arbeiten besser und Sie sind harmonischer, heiterer. Angeblich soll sogar die Gefahr von Herz- und Gehirnblutungsstörungen, Diabetes, Osteoporose und Krebs dadurch deutlich vermindert werden.
Es geht um die Übersäuerung unseres Körpers, an der – so sollen wissenschaftliche Untersuchungen ergeben haben – angeblich in Deutschland über 90 % der Menschen leiden. Aus meiner Praxiserfahrung kann ich das bestätigen, denn bei der routinemäßigen Harnuntersuchung hat mich immer wieder gewundert, wie wenige Patienten neutral reagieren, d. h. mit einem pH Wert von ca. 7. In den meisten Fällen liegt dieser Säurewert zwischen 5,5 und 6, also deutlich im sauren Bereich.

Lange merken wir nicht, dass irgend etwas mit uns nicht stimmt. Allenfalls stört das saure Aufstoßen, ab und an ein Hexenschuss oder unerklärlicher Durchfall nach üppigen Mahlzeiten, Stimmungstiefs, Reizbarkeit, die sich interessanter Weise mit dem Stoßseufzer „ich bin so richtig sauer“ Luft macht (welch eine genaue Beobachtung unseres Unterbewusstseins!). Sie werden jetzt fragen:
Was ist denn die Ursache einer solchen Übersäuerung?

An erster Stelle ist die Ernährung zu nennen,
das heißt zu viel
- tierisches Eiweiß aus Fleisch, Fisch, Geflügel, Wild – auch Käse, Eier und Quark zählen dazu
- Zucker und alle Süßigkeiten, auch Kuchen
- Weißmehlprodukte
- polierter Reis
- Kaffee und Alkohol
das heiß zu wenig
- Kartoffeln, Obst, Gemüse aller Art
- Rohmilch und Sahne (soweit diese vertragen werden)
- stille Mineralwasser oder Leitungswasser
- Gewürzkräuter.
Säurebildend wirken auch
- Stress, Angst und Traurigkeit
- Bewegungsmangel
- Rauchen.
Auch Fehlleistungen basenbildender Organe wie
- Bauchspeicheldrüse
- Leber und Galle
- Nierenschwäche oder Nierenkrankheiten und
- Unterfunktionen bestimmter Drüsenzellen im Magen
können an der Übersäuerung beteiligt sein. Deshalb sollten unbedingt vor einer Selbstbehandlung solche Ursachen ärztlicherseits ausgeschlossen werden.
Es soll wissenschaftlich erwiesen sein, dass bei fast allen chronischen Krankheiten gleichzeitig eine Übersäuerung des Organismus vorliegt, wie z. B. bei Migräne, Rheuma, Diabetes, Herzinfarkt und Krebs, um nur einige solcher Krankheiten zu nennen. Übrigens hat schon vor etwa 100 Jahren der berühmte Mikrobiologe Prof. Dr. Günther Enderlein darauf hingewiesen, dass durch eine Übersäuerung sich Viren, Bakterien und Pilze stark vermehren.

Für uns Menschen ist von großer Bedeutung, dass eine Übersäuerung den Sympathikus anregt, d. h. eine Aktivierung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Thyroxin erfolgt. Daraus lassen sich folgende Befindlichkeiten ableiten:
- der Blutdruck steigt
- die Atmung wird beschleunigt
- der Blutzucker erhöht sich
- durch die innere Uhr wird das Einschlafen und Durchschlafen erschwert, andererseits entstehen Antriebsschwäche, leichte Ermüdbarkeit und die Stimmung wird gedrückt, das Verhalten gereizt.

Dagegen bewirkt eine basische Stoffwechsellage die Anregung des Paraympathikus, d. h.
- der Blutdruck sinkt
- die Atmung wird ruhiger
- der Insulinspiegel steigt und der Blutzucker sinkt
- ein gesunder Schlaf stellt sich ein
- Spannkraft und Ausdauer nehmen zu
- die Stimmung ist behoben und fröhlich, gute Laune stellt sich ein.

Wie können wir dazu beitragen, dass die Übersäuerung zurückgeht?
- die Ernährung ändern in Richtung basische Kost, d. h. mehr Gemüse, Obst, Kartoffeln etc. (siehe oben)
- mehr Bewegung an frischer Luft (Spazieren gehen, Sport),
- Einschränkung von Tabak und Alkohol,
- weniger Stress (leichter gesagt als getan, aber sehr wichtig). Kurze Entspannungsübungen zwischendurch. Es gibt heute zahlreiche Bücher zu diesem Thema.

Entscheidend ist in dieser Situation die Selbstkontrolle
Glücklicherweise ist diese sehr einfach durch die Überprüfung des Harn-pH-Wertes am Morgen und am Abend. Wenn der pH-Wert unter 6,5 liegt trotz aller geschilderten Gegenmaßnahmen, ist eine Therapie erforderlich und sehr leicht durchzuführen. Es handelt sich um Basenpulver, das in Wasser gelöst getrunken werden kann. Eines der bekanntesten ist Alkala N, dem auch eine Farbskala und Teststreifen beigefügt ist. Oft merken wir schon nach kurzer Zeit, dass sich unser Allgemeinbefinden deutlich bessert (besserer Schlaf, größere Spannkraft, Ausdauer und gehobene Stimmung).
Das entsäuernde Mittel kann entweder einmal täglich (morgens oder abends) oder zweimal täglich (morgens und abends) oder verteilt über den Tag eingenommen werden. Das muss die Erfahrung zeigen. Empfohlen wird jeweils morgens und abends den pH-Wert zu messen und einzutragen, damit wir nach und nach die optimale Menge für unseren Körper herausfinden. Jedenfalls sollten wir immer wieder diese kleine Urinkontrolle durchführen – ein geringer Aufwand im Vergleich zu den fatalen Folgen einer Übersäuerung. Die Mühe lohnt sich.

Weitere interessante Einzelheiten zu diesem Thema finden Sie in dem spannend zu lesenden Buch „Übersäuerung – krank ohne Grund?“ von Norbert Treutwein, Südwest-Verlag, ISBN-Nr. 3-517-01857-0, wenngleich man bei manchen Themen infolge persönlicher Erfahrungen zu anderen Schlüssen kommen wird (z. B. Hay’sche Trennkost).

Jede Zeit hat ihre besonderen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sich manchmal in der Folgezeit nicht immer aufrecht erhalten lassen. Entscheidend ist, welche Erfahrungen Sie persönlich machen, denn eines schickt sich nicht für alle. Vor allem behalten Sie die spontane Lebensfreude und lassen Sie sich nicht versklaven durch Tabellen. Finden Sie heraus, was Ihnen gut tut. Aber wirklich wichtig scheint mir die Gefahr einer Übersäuerung zu sein. Ihr sollte man unbedingt Einhalt gebieten. Der Weg dazu wird von Fall zu Fall kleinen Variationen unterliegen.

Damit möchte ich schließen mit meinem Grußwort, das diesmal sehr prosaisch erscheint – aber extrem wichtig ist!

In alter herzlicher Verbundenheit grüßt Sie wie immer

Ihre

Veronica Carstens

Quelle: Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Förderverein der Karl und Veronca Carstens-Stiftung. Aus dem Mitgliederbrief Nr. 2 "Natur und Medizin", März/April 2002. Weitere Informationen finden Sie unter www.naturundmedizin.de.

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